Filter Bubble – Die verzerrte Wahrnehmung

In unserer vernetzten Welt wird immer mehr über das Internet kommuniziert. Dabei spielt die personalisierte Suche eine immer größere Rolle. Google und andere Suchmaschinen ermöglichen uns, gezielt nach Informationen zu suchen. Dies führt allerdings dazu, dass wir in einer Filter Bubble leben und uns nur mit Meinungen konfrontiert sehen, die unseren eigenen Ansichten entsprechen. In diesem Blog möchte ich aufzeigen, welche Auswirkungen die Filterblase auf unsere Wahrnehmung hat und warum es wichtig ist, gelegentlich auch mal außerhalb der Blase zu schauen.

Wie entsteht eine Filter-Bubble?

Eine Filterblase ist ein Phänomen, das auftritt, wenn Menschen im Internet nur noch die Inhalte sehen, die ihren Präferenzen entsprechen. Dies geschieht, weil Suchmaschinen und soziale Medien Inhalte filtern, die sie für relevant halten, basierend auf den Such- und Browserverläufen der Nutzer. Dies kann dazu führen, dass Menschen in einer Blase leben und nur noch die Inhalte sehen, die ihnen bereits bekannt sind oder mit denen sie bereits einverstanden sind.

Praxis-Beispiel: Max interessiert sich für Fußball und dementsprechend googgelt er öfter zu dem Thema. Gleichzeitig ist er in Facebook, Instagram und Co. in diversen Fußball Gruppen. Somit weiß das Internet relativ schnell, dass Max sehr begeistert für Fußball ist. Damit er länger auf Facebook bleibt, werden ihm nun vermehrt Fußball Content angezeigt, da er sich das gerne anschaut. Auch werden ihm Werbungen zu Fußball Merchandise angezeigt, da er bestimmt bereit ist Geld für sein Hobby auszugeben. Nach einer Zeit sieht Max also gefühlt nur noch Beiträge, die um Fußball handeln und er meint, dass jeder Mensch der Welt Fußballfan ist, da ja ganz Social Media davon voll ist. Jetzt steckt Max mitten in seiner Filter Bubble. Diese Blase lässt sich natürlich auf alles übertragen wie Beauty, Business, Sport, Politik usw.

Welche Auswirkungen hat die Filter Bubble auf uns?

Persönliche Auswirkungen

Die Filter Bubble kann und hat auch bereits extreme Auswirkungen auf unser individuelles und auch gesellschaftliches Leben. Wie beim Beispiel eben denkt Max, jeder Mensch der Welt liebt Fußball. Das verändert seine komplette menschliche Wahrnehmung und hat dementsprechend Auswirkung auf sein Leben. Das scheint in diesem Fall nicht allzu schreckliche Folgen zu haben, aber hier gibt es auch negative Beispiele, die derzeit auch sehr in den Medien präsent sind. Das meist diskutierte ist der Schönheitswahn auf Social Media. Junge Menschen folgen ihren Start auf Social Media, die ein gefühlt perfektes Leben führen.

Laura, 12 ist hier unsere Beispiel-Jugendliche. Laura hat Instagram und folge einem Model, die wunderschöne Fotos macht. In einer Kooperation macht dieses Model ein Shooting mit einem anderen Model, die Laura auch abonniert. Und so erscheint auf Lauras Social Media Seiten nach der Zeit nur noch Models mit einem perfekten Körper und 90-60-90 Maßen. In ihrem Alter kann sie noch nicht so ganz reflektieren, dass das alles gestellt ist. Laura meint dann, diese perfekte Social Media Welt ist real und sie, die keine perfekten Körpermaße oder eine leicht krumme Nase hat, ist nicht gut genug. Filter Bubble verstärken das Gefühl, da sie ja nur noch Models vorgeschlagen bekommt durch den Algorithmus. So entstehen, besonders im jungen Alter, schnell Depressionen. Sie schaut nun gerne traurige Videos, um sich bestätigt zu fühlen, der Algorithmus versteht jetzt, dass Laura gerne traurige Videos anschaut und schlägt ihr noch mehr Videos dazu vor. Ihre Welt der Traurigkeit wird mit diesen Videos noch unterstützt.

Wie du schon merkst, JEDER, ja auch DU bist in einer Filter-Bubble. Das muss nicht immer negativ sein oder so krasse Auswirkungen wie bei Laura haben, aber dennoch solltest du dir bewusst sein, dass auch du in einer Bubble lebst, die sein Leben beeinflusst. Das ist nicht schlimm, aber versuche regelmäßig dich zu reflektieren und auch mal aus der Blase herauszukommen.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Auch hier nehmen wir zur Veranschaulichung ein extremeres Beispiel. Robert, 45 ist arbeitslos und hat derzeit etwas mehr Zeit, die er auf sozialen Medien wie Facebook verbringt. Er hat seinen Job verloren und ein Ausländer hat seinen Job übernommen. Er ist nicht rechtsradikal, ABER…

Robert war jahrelang Wähler mittlerer Parteien, aber durch ein paar Ereignisse hat er angefangen, auf Social Media ein paar rechtsorientierten Politiker zu folgen. Der Algorithmus hat gemerkt, er interessiert sich für das Thema und hat ihm immer mehr Politiker aus dieser Bubble vorgeschlagen. Nach und nach dachte sich Robert, dass das wohl normal sei solche Ansichten zu haben, hier in meinen sozialen Medien wimmelt es nur von solchen Gedanken. Somit wird Robert durch diese Bubble immer mehr für rechtes Gedankengut sensibilisiert.

Ganze Wahlen können durch Bubbles beeinflusst werden. Menschen bekommen durch Blasen ein verstärktes Feedback ihrer Meinung und besonders in der Politik kann das langfristige und auch gravierenden Einfluss auf unsere Gesellschaft haben.

Wie lässt sich eine Filterblase vermeiden?

Einfache Antwort – gar nicht.

Wir lieben es, wenn andere Menschen unserer Meinung sind und uns Zustimmung geben. Wir rennen dieser Bestätigung sogar nach. Also sind Filterblasen der perfekte Ort, mit gleichgesinnten seine eigene Weltanschauung bestätigen zu lassen. Meist ist das auch nicht schlimm, jedoch schränkt eine Bubble den eigenen Horizont und persönliche Entwicklung stark ein. Eine differenzierte Weltanschauung entsteht nur durch verschiedene Meinungen, die man auch zulassen muss. Man muss seinen Kopf aus der Blase stecken und andere Meinungen zulassen, auch wenn diese oft absurd sind oder einfach nicht der eigenen Weltanschauung entsprechen.

Und das ist kein Prozess, denn man einmal im Leben macht in einer Lebenssituation. Das ist ein stetiger Ablauf, den man immer wieder für seine verschiedenen Blasen durchlaufen muss. Eine starre Filterblase kann man nur vermeiden, indem man sich bewusst auf die Suche nach unterschiedlichen Meinungen macht. Man sollte versuchen, Informationen aus möglichst vielen verschiedenen Quellen zu beziehen und nicht nur die Informationen anzunehmen, die einem schon bekannt sind oder die mit den eigenen Ansichten übereinstimmen. Auch sollte man bereit sein, seine eigenen Ansichten zu hinterfragen und sich immer wieder neu zu informieren.

Florian Haidorf
Florian Haidorf
Artikel: 17

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